Kann ich Sie was fragen? Jul28

Kann ich Sie was fragen?

GF – Gute Frage!

 

GF: Sie schreiben sich ja als freier Werbetexter alles mögliche aufs Hemd. Was sind Sie denn für ein Tausendsassa!

A: Gar keiner. Ich kann deutsche Sätze bilden; das habe ich studiert. Mit der nötigen Stilsicherheit geht das in einer werblichen Longcopy genauso wie in einem Limerick. Auch sollte jeder freie Texter in der Lage sein, einen sauberen Hexameter zu bauen. Dafür wären Sie entsetzt, wenn sie mich beim Tapezieren erleben müssten. Außerdem bin ich eine Null im Fußballspielen.

GF: Wie schnell können Sie liefern?

A: ASAP. Selbstverständlich wollen Sie alle Ihre Aufträge bis vorgestern ausgeführt haben. So gern ich das will, kann ich das nicht leisten. Aber Schnellschüsse sind möglich. Ich bediene Sie, solange der Auftrag heiß ist. Versprochen ist versprochen.

GF: In welchen Formaten liefern Sie?

A: Wie Sie wollen. Textentwürfe liefere ich per Fax oder als Textdokument per Mail. Das geht so bis zur Endredaktion, die Sie per Unterschrift abnehmen.
Welche Fertigungsstufe Sie als abnahmefähiges Produkt betrachten, haben wir im Briefing vereinbart. Große Dateien wie Bilder passen durch den Leo.

GF: Sind Sie auch Übersetzer?

A: Ja. Ich habe jahrelang Drehbuchdialoge, Website-Contents und Geschäftsbriefe übersetzt. Elf Semester Anglistik gehen nicht spurlos an einem vorbei. Meine Muttersprache ist Deutsch; ich werde also auch Ihre englischen Aufträge automatisch auf deutsche Konsumenten zuschneiden.

Mein Vorbild ist Harry Rowohlt – und zwar ausschließlich, was Übersetzungen angeht. Zum Beispiel sind wir beide nicht vereidigt. (Harry meint: „Schon bitter, so was.“) Ich arbeite mit einer erfahrenen Art Direktorin.

GF: Was treibt Sie zu grafischen Angeboten, Herr Werbetexter?

A: Ich arbeite mit einer erfahrenen Art Direktorin, damit Text & Grafik weder redundant noch widersprüchlich ausfallen.

GF: Testfrage: Woher ist eigentlich das Lied „Knockin‘ on Heaven’s Door“?

A: Das Original ist von Bob Dylan aus dem Western „Pat Garrett & Billy the Kid“ von Sam Peckinpah, 1973. Neu erfunden haben es Guns N‘ Roses auf dem zweiten der beiden Doppelalben „Use Your Illusion“, 1991: Ohne den ausschmückenden „Belcanto“ im Refrain wird das Lied nie wieder denkbar sein.

GF: Testfrage 2: Was ist der Unterschied zwischen indolent, insolent und insolvent, und wer verwechselt diese Begriffe dauernd?

A: Indolent: unempfänglich für Sinneseindrücke. Insolent: unverschämt. Insolvent: zahlungsunfähig. Ständig verwechselt von der indolenten Frau Stöhr aus dem „Zauberberg“ von Thomas Mann.

GF: Testfrage 3, diesmal aus der Werbung: Was ist der POD?

A: Point of Distribution.

GF: Gut gegeben. Was soll der Spass kosten?

A: Halb so wild: Mich können Sie schon ab 20 € pro Stunde für einfaches Korrekturlesen buchen. Ein dreistophiger Song mit Refrain kommt Sie auf kaum 75 €, ein sechsseitiger Salesfolder bei durchschnittlichem Bildanteil schon ab 400 €.

Sie wollen fest kalkulieren? Auch hier kann ich ein paar gute Worte für Sie einlegen: Reden wir über einen Festpreis.

GF: Wo kann man sich hier mal die Nase pudern?

A: Geradeaus, dann links.

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